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Risssanierung – ohne Verdübeln geht es auch

Wenn ein Riss im Estrich entstanden ist, kann die Ursache vielfältig sein. In jedem Fall muss das Problem beseitigt und der Riss verharzt werden. Denn ein fachgerecht verharzter Riss stellt keinen Mangel mehr dar. Selbstverständlich darf auch die Ursache nicht mehr vorlie-gen, sonst kann erneut ein Riss entstehen. Der Beitrag zeigt, dass bei Rissen in Calciumsulfat-Fließestrichen über das Verharzen hinaus keine weiteren Maßnahmen notwendig sind.

Auf vielen Baustellen wird vor dem Verharzen noch häufig der Riss mit einer Flex V-förmig aufgeweitet und der Estrich zur Verlegung von Dübeln quer zum Riss eingeschnitten. Das macht viel Arbeit und erzeugt jede Menge Staub. Und bei Heizestrichen besteht die Gefahr, dass ein Heizrohr beschädigt wird.
Tatsächlich ist dieser Aufwand nicht notwendig, da hierdurch weder die Festigkeit im Rissbe-reich erhöht, noch eine größere Sicherheit gegen ein Wieder-Öffnen des Risses erreicht wird. Die erforderliche kraftschlüssige Verbindung kommt zustande, indem sich das Harz fest mit der rechten Rissflanke des Estrichs verbindet, der Riss mit Harz gefüllt wird und das Harz sich auch mit der linken Rissflanke verbindet. Mit Erhärtung des Harzes ist der Riss saniert. Der Est-rich ist nun an der verharzten Stelle sogar fester als neben dem Riss. Dabei ist es wichtig, dass das richtige Harz verwendet und der Riss wirklich gut mit Harz gefüllt wird.

Werden nun zusätzlich quer zum Riss Dübel gesetzt, die im Harz eingebettet sind, erhöht sich die Festigkeit der Verbindung nicht weiter. Es ist wie bei einer Kette: sie reißt am schwächsten Glied. Wenn das Harz das schwächste Glied ist, also kein Qualitätsmaterial darstellt, hält weder das Harz im Riss, noch der im Harz eingebettete Dübel. Hat der Estrich keine ausreichende Fes-tigkeit, macht eine Sanierung ohnehin keinen Sinn. Und wenn der Dübel keine Festigkeit be-sitzt, kann man ihn gleich weglassen. Daraus folgt, als Estrichleger greift man am besten direkt zu einem geeigneten Qualitäts-harz, das den Riss vollständig ausfüllt. Dann sind Flex und Dübel überflüssig und es lässt sich staubfrei arbeiten.
Um diese Betrachtung technisch zu belegen, hat der VDPM eine Untersuchung beim Institut für Baustoffprüfung und Fußbodenforschung (IBF) in Auftrag gegeben. Ziel war zu überprü-fen, ob ein Verharzen von Rissen auch ohne Setzen von Estrichdübeln funktioniert. Die hier vorgestellte Untersuchung beschränkte sich auf schmale Risse (≤ ca. 0,2 mm) in Calciumsulfa-testrichen.
Im Rahmen der Untersuchungen wurden drei Risssanierungsarten auf ihre Eignung hin über-prüft:

  • Risssanierungsart A: Aussaugen, niedrigviskos verharzen
  • Risssanierungsart B: Aufweiten, Querdübel einschneiden, aussaugen, niedrigviskos verhar-zen
  • Risssanierungsart C: Querdübel einschneiden, aussaugen, niedrigviskos verharzen (nur im Bereich der Querdübel)

Sanierung der Risse

Zur Durchführung der Untersuchungen wurden Probeflächen angelegt, in denen Risse erzeugt wurden. Bei den Probeflächen des zu sanierenden Estrichs handelte es sich um einen Calci-umsulfat- Fließestrich CAF‑C25‑F5‑S45. Zum Zeitpunkt der Sanierung war der Calciumsulfat-Fließestrich belegreif (≤ 0,5 CM-%). Für die Sanierung der Risse wurde ein niedrigviskoses 2K-Reaktionsharz verwendet. Laut Herstellerangaben weist es eine Viskosität von h ~ 1000 mPas (bei 25°C) auf. Dies ist ein Maß für die Fließfähigkeit des Materials (zum Vergleich: Olivenöl h ~ 100 mPas / Honig h ~ 10.000 mPas). Das 2K-Reaktionsharz wurde gemäß den Herstellervor-schriften verarbeitet. Die beiden Komponenten wurden gemischt, aufgerührt, umgetopft und erneut aufgerührt.

Risssanierungsart A

Bei der Risssanierungsart A wurde zunächst der unmittelbare Rissbereich mit einem Industrie-staubsauger abgesaugt. Um den Riss mit Reaktionsharz zu füllen, wurde es auf den Riss ausge-gossen, bis sich eine kleine Wulst aus Reaktionsharz gebildet hatte. Das Reaktionsharz kann auf diese Art und Weise in den Riss eindringen. Sobald erste Vertiefungen im Rissbereich er-kennbar waren, wurde zunächst das restliche auf der Oberfläche verbliebene Reaktionsharz in Richtung des Risses geschoben und erneut Reaktionsharz aufgetragen. Dieser Vorgang wurde so lange wiederholt, bis kein Reaktionsharz mehr in den Riss eindringen konnte. Anschließend wurde der an der Estrichoberfäche verbliebene Überschuss an Reaktionsharz mit einem Spachtel abgezogen und mit feuergetrocknetem Quarzsand abgestreut.

Risssanierungsart B (Bilder: B-1; B-2; B-3)

Bei der Risssanierungsart B wurde der Riss, wie dies häufig in der Praxis vorzufinden ist, mit einer Steinsäge etwa 1,5 cm tief aufgeweitet und zusätzlich alle 20 cm quer zum Riss einge-schnitten. Der Einschnitt für das Einlegen der Querverdübelung wurde – ebenfalls praxisnah – nur etwa 5 mm tief eingeschnitten, sodass die für die Querverdübelung verwendeten Wellen-verbinder etwa deckungsgleich zur Estrichoberkante lagen. Vor dem Verharzen mit Reaktions-harz wurden die Risse durch Absaugen mit einem Industriestaubsauger gesäubert. Die Sanie-rung der Risse erfolgte analog zur Risssanierungsart A. Die Wellenverbinder wurden nach dem ersten Füllvorgang in das Reaktionsharz eingelegt.

Risssanierungsart C (Bilder C-1; C-2; C-3)

Bei der Risssanierungsart C wurden die Risse nicht aufgeweitet. Es wurden nur Einschnitte, wie bei Risssanierungsart B beschrieben, zum Einlegen einer Querverdübelung (Wellenverbinder) angelegt. Die Risssanierung erfolgte analog zur Risssanierungsart B, wobei nur die Wellenver-binder der Querverdübelung mit Reaktionsharz fixiert wurden (nicht der Riss selbst). Mit die-ser Variante sollte eine fehlerhafte Risssanierung simuliert werden, bei der der Riss selbst nicht oder nur unzureichend mit Reaktionsharz verfüllt wird.

Überprüfung der Risssanierungen

Aus den einzelnen Probeflächen wurden Streifen mit einer Breite von 200 mm mit einer Stein-säge trocken herausgesägt. An den Querschnitten der Proben aus dem Bereich der Risssanie-rungsarten A und B erkennt man, dass die Risse über den Querschnitt mit Reaktionsharz voll-ständig gefüllt sind. An den Proben aus dem Bereich der Risssanierungsarten C ist dies nicht möglich, da der Riss nur im Bereich der Querverdübelung verfüllt wurde. Auch hier war das Reaktionsharz aber stellenweise bis zur Unterseite des Estrichs eingedrungen.

Die Biegezugfestigkeit der sanierten Calciumsulfat-Fließestriche wurde über eine Vier‑Punkt-Biegezugprüfung ermittelt. Die sanierten Risse lagen dabei in der Mitte der Prüfstreifen. Die Wellenverbinder waren, sofern vorhanden, mittig im Prüfstreifen angeordnet. Entscheidend neben den erzielten Biegezugfestigkeiten sind die Bruchbilder. Bei den Proben aus dem Be-reich der Risssanierungsarten A und B erfolgte der Bruch immer neben dem sanierten Riss, von den Prüfern als „außermittig“ bezeichnet.

Zum Vergleich wurde auch die Biegezugfestigkeit des Calciumsulfat- Fließestrichs ohne Riss überprüft. Folgende Mittelwerte wurden gemessen:

Risssanierungsart Biegezugfestigkeit
A 6,1 N/mm²
B 5,8 N/mm²
C 1,8 N/mm²
Vergleichsprobe ohne Riss 6,6 N/mm²

Vergleicht man die Werte der Biegezugfestigkeit der Risssanierungsarten A, B und C mit der Vergleichsprobe ohne Riss, so ergibt sich ein eindeutiges Bild: Die Risssanierungsart C weicht am stärksten von der Vergleichsprobe ab; mit ihr wurde keine gleichwertige Biegezugfestigkeit erreicht. Die Risssanierungsart C stellte sich erwartungsgemäß als untauglich heraus.
Die Risssanierungsarten A und B erreichten in etwa die gleiche Biegezugfestigkeit wie die Ver-gleichsprobe ohne Riss. Der Bruch der Probekörper erfolgte dabei nicht unmittelbar im Rissbe-reich, sondern „außermittig“ neben den sanierten Rissen im Estrich. Bei den Risssanierungsar-ten A und B wurde der geforderte Kraftschluss durch das Harz erreicht. Entscheidend für eine erfolgreiche und fachgerechte Risssanierung ist, dass das Reaktionsharz ausreichend niedrig-viskos ist und der Riss möglichst vollständig von Oberkante bis Unterkante Estrich verfüllt wird. Bei der Risssanierungsart B hat die Querverdübelung für das kraftschlüssige Verschließen von Rissen keinen Einfluss und kann daher entfallen.

Fazit: Zusätzliches Aufweiten ist nicht notwendig

Die Untersuchungen haben gezeigt, dass punktuelles Sanieren von Rissen (Risssanierungsart C) nicht zum Erfolg führt. Wichtig ist vor allem, dass das Reaktionsharz den Riss möglichst voll-ständig von Oberkante bis Unterkante Estrich verfüllt. Gelingt dies, ist eine zusätzliche Quer-verdübelung auch bei schmalen Rissen (Rissbreite ≤ ca. 0,2 mm) nicht notwendig. Mit geeigne-ten, ausreichend niedrigviskosen Reaktionsharzen ist eine fachgerechte Risssanierung auch ohne zusätzliches Aufweiten des Risses möglich.
Ein mechanisches Aufweiten des Risses kann das Auftragen des Harzes aber erleichtern. In diesem Fall sollte aber auf ein Einschneiden (Flexen) verzichtet werden, da dabei der Riss er-fahrungsgemäß in tiefer liegenden Bereichen des Estrichquerschnitts durch Staub verschlos-sen werden kann. Das Reaktionsharz kann den Riss dann nicht mehr vollständig verfüllen. Der Erfolg einer Risssanierung kann durch Anlegen von Öffnungsstellen überprüft werden.

Autor:
Andres Seifert, Leiter Arbeitskreis Technik & Marketing Estrichmörtel im Verband für Dämmsys-teme, Putz & Mörtel – VDPM

Über den VDPM:

Der Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e.V. (VDPM) repräsentiert die führenden Hersteller von Fassadendämmsystemen und deren Zubehör, Außen- und Innenputzen, Mauermörtel und Estrich. Im Sinne seiner Mitgliedsunternehmen engagiert sich der VDPM für eine effiziente Interessenvertretung gegenüber der (Fach)Öffentlichkeit, der Politik, sowie den Behörden und Institutionen auf deutscher und europäischer Ebene. Die Fachgremien des VDPM erarbeiten und bewerten dabei Grundlagen und Vorschläge zu Technik- und Umweltschutzthemen sowie zum Arbeits- und Gesundheitsschutz, beteiligen sich an Forschungsvorhaben und leisten erfolgreiche Presse- und Normungsarbeit. Für Planer, Architekten und Bauherren stellt der Verband eine Vielzahl herstellerneutraler Informationen zur Verfügung und ist kompetenter Ansprechpartner.