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Ein Branchentreffen mit Rekordbeteiligung

Das FLIESSESTRICHFORUM 2018 fand in Kloster Haydau (Altmorschen) statt. (Foto: VDPM)

Das 5. FLIESSESTRICHFORUM 2018 am 23. Oktober 2018 in Kloster Haydau (Altmorschen) hat mit  über 130 Teilnehmern die Vorjahresveranstaltung nochmals übertroffen. Die Mischung aus technischen Fachinformationen, Managementthemen und dem Gedankenaustausch unter Kolleg(inn)en entspricht offenbar genau den Vorstellungen der Branchenbeteiligten.

Antje Hannig (Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel – VDPM), Dr. Markus Pfeuffer (VDPM) und Bernfried Hansel (Bundesverband Estrich und Belag – BEB) begrüßten die Teilnehmer aus Handwerk und Industrie, aus Sachverständigenkreisen und Ingenieurbüros. Mit im Bund als Veranstalter war auch wieder das Institut für Baustoffprüfung und Fußbodenforschung (IBF).

Dr. Pfeuffer gab zunächst einen Überblick über die aktuelle Marktsituation. Der Estrichmörtelmarkt ist neben dem für Putz- und Mauermörtel der größte Mörtelmarkt in Deutschland und wächst seit 2009 kontinuierlich. Im laufenden Jahr rechnet der VDPM mit einem Volumen von fast dreieinhalb Millionen m³. Fließestriche hatten 2017 insgesamt einen Marktanteil von 32 %. Weitere Werkmörtel wie z.B. Schnellestriche und Zementestriche besitzen weitere 9 %. Der Anteil der Baustellenestriche auf Zementbasis lag 2017 unverändert bei knapp 40 % und für konventionelle Calciumsulfatestriche bei ca. 9 %. Ein Parallelvergleich der Entwicklung zeigt, dass sich der Marktanteil des Fließestrichs dem des Zementestrichs in kleinen Schritten annähert. „Insbesondere aufgrund des Gesundheitsschutzes wird sich der VDPM auch in den kommenden Jahren für einen größeren Marktanteil des Fließestrichs einsetzen“, so Dr. Pfeuffer.

Den Technikteil des FLIESSESTRICHFORUMS eröffneten Jean-Pierre Bildstein (Fischer GmbH, Achern) und Arnd Pferdehirt (Lanxess Deutschland GmbH) mit einem Vortrag zur Wirkungsweise von Zusatzmitteln in zementär gebundenen Leichtmörteln. Schwerpunkte waren insbesondere die Analyse der Randbedingungen und die normativen Anforderungen für diese Systeme, denen die Referenten eine sehr expansive Marktentwicklung prognostizierten.

Andres Seifert (VDPM) beantwortete die Frage nach dem Einsatz von Calciumsulfat-Fließestrichen (CAF) in Nassräumen anhand DIN 18534 (7-2017) mit den dort definierten Wassereinwirkungsklassen und Anwendungsbeispielen. In den Bereichen, wo nur Spritzwasser anfällt und kein Gefälle benötigt wird, kann CAF sicher verwendet werden (Wassereinwirkungsklassen W0-I – geringe Wassereinwirkung und W1-I – mäßige Wassereinwirkung). Ausnahmen hiervon sind gewerbliche Bereiche, wie z.B. Wellnesscenter oder Schwimmbäder, wo dauerhaft hohe Luftfeuchten herrschen. Dort, wo häufig Brauchwasser anfällt (W2-I), wird ein ausreichendes Gefälle benötigt, um das Wasser abzuleiten; hier sollte kein CAF verwendet werden.

Konsequenzen der neuen DIN 18533 für die Abdichtung der Bodenplatte erläuterte Wolfgang Retsch (BEB), insbesondere mit dem Fokus auf das Thema Bodenfeuchte. Ausgehend vom Normungsgrundsatz, Bauteile nicht mehr isoliert, sondern im Gesamtzusammenhang zu betrachten, verwies Retsch auf die Verantwortung des Bauwerksplaners auch für die Abdichtung.

Estrichleger seien u.a. durch die Anforderungen an den Untergrund betroffen und müssten diesen grundsätzlich auf Eignung prüfen. Das sei als besondere Leistung dann aber auch abzurechnen.

Zum Thema „Innere Trocknung“ referierte Dr. Dirk Niepmann (Imerys Aluminates GmbH). Dabei ging es um die Frage, wie viel Wasser unterschiedliche Bindemittelkonzepte in Estrichen binden können. Vor dem Hintergrund der immer dichteren Gebäudehüllen durch die Energieeinsparvorgaben werde die Trocknung durch Verdunstung immer weiter erschwert, so Dr. Niepmann. Die Ergebnisse interner Szenarien zeigten, dass aluminathaltige Bindemittel und die dadurch forcierte innere Trocknung diesem Problem wirksam entgegenwirken können.

Mit Spannung erwartet wurde der Vortrag von Dr. Frank Radtke (CPM AG, Baar). Er berichtete über seine Praxiserfahrungen als Messtechniker im Vergleich von CM- und KRL-Methode und zog dazu auch die Daten der Technischen Kommission Bauklebstoffe (TKB) im Industrieverband Klebstoffe e.V. hinzu. Seine anspruchsvollen Detailanalysen mündeten in der Aussage, dass „die Baustellentauglichkeit der KRL-Methode in der Praxis derzeit nicht gewährleistet ist.

Die Begründung fasste Dr. Radtke in fünf Punkten zusammen:

  • Feuchtegleichgewicht ist sehr temperatursensitiv
  • Sensorstabilität ist nicht gewährleistet
  • Zeitintensive Sensorkalibrierung, kann einen Tag dauern
  • Belegreifwerte sind zu konservativ
  • Hohe Anschaffungskosten

Im Labor und im Industriebereich sei die KRL-Methode allerdings anwendbar, so Dr. Radtke. Sein neutral-sachlicher und durch Fakten aus der Praxis gestützter Vortrag unterstrich, warum dieses Thema aktuell so intensiv diskutiert wird.

Zum FLIESSESTRICHFORUM gehören neben den reinen Technik-Themen regelmäßig auch Beiträge aus angrenzenden Bereichen und zur Betriebspraxis. Martin Simmel (iGMS Institut, Regensburg) hatte gleich zum Start der Tagung über „Gesundheitsmanagement im Unternehmen“ referiert. Der Diplom-Psychologe überzeugte das Auditorium mit Fakten und Empfehlungen – wie sich etwa Arbeit zur Gesundheitsförderung einsetzen lässt, dass Prävention „nicht sexy“, aber dringend notwendig ist und: „Wer im Unternehmen Vollgas fährt, muss auch die Bremse pflegen, um gesund zu bleiben!“

Ganz nah an der Praxis informierte der Leipziger Rechtsanwalt Frank Häberer über wichtige Veränderungen für Estrichlegerbetriebe seit der Einführung des neuen Bauvertragsrechts vor knapp einem Jahr. Anhand von Beispielen wie Abschlagszahlungen, Leistungsstandfeststellung nach Kündigung oder beim Anordnungsrecht des Bestellers wurden die Neuerungen im Gesetz deutlich. Frank Häberer rundete diese Informationen durch konkrete Tipps ab: „Prozesse gewinnt man in diesem Bereich vor allem mit starken Baustellen-Dokumentationen und vollständigen Schriftwechseln!“

Das nächste FLIESSETRICHFORUM findet am 22. Oktober 2019 in Bamberg statt.

130 Teilnehmer am FLIESSESTRICHFORUM 2018 bedeuten eine Rekordbeteiligung. (Foto: VDPM)

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Über den VDPM:

Der Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e.V. (VDPM) repräsentiert die führenden Hersteller von Fassadendämmsystemen und deren Zubehör, Außen- und Innenputzen, Mauermörtel und Estrich. Im Sinne seiner Mitgliedsunternehmen engagiert sich der VDPM für eine effiziente Interessenvertretung gegenüber der (Fach)Öffentlichkeit, der Politik, sowie den Behörden und Institutionen auf deutscher und europäischer Ebene. Die Fachgremien des VDPM erarbeiten und bewerten dabei Grundlagen und Vorschläge zu Technik- und Umweltschutzthemen sowie zum Arbeits- und Gesundheitsschutz, beteiligen sich an Forschungsvorhaben und leisten erfolgreiche Presse- und Normungsarbeit. Für Planer, Architekten und Bauherren stellt der Verband eine Vielzahl herstellerneutraler Informationen zur Verfügung und ist kompetenter Ansprechpartner. Der VDPM ist im Mai 2017 aus einer Fusion des Industrieverbandes WerkMörtel e.V. (IWM) mit dem Fachverband Wärmedämm-Verbundsysteme e.V. (FV WDVS) hervorgegangen.

 

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