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  • Planung

  • Anwendungsgebiete

    Fließestriche sind in ihrer Anwendung ein äußerst universeller Baustoff und erfüllen sämtliche Ansprüche, die heute an ein modernes Bauen gestellt werden. Zu den Anwendungsgebieten von Fließestrichen zählen ebenfalls Kellerräume und Feuchträume wie beispielsweise häusliche Bäder ohne Bodenabläufe bzw. mit Bodenablauf (Notabläufe), sofern die Estrichkonstruktionen durch entsprechende Abdichtungen geschützt werden. Fließestriche sind nahezu überall einsetzbar, wie z. B. in:

    • Wohnungsbau
    • Bürobauten
    • Hotels, Krankenhäuser, Altenheime
    • Schulen, Kindergärten, Bibliotheken, Sporthallen
    • öffentliche Bauten wie Theater, Kinos, Museen, Konzerthäuser, Kirchen
    • Restaurants, Kongresssäle, Kaufhäuser
    • Lagerhallen, Fertigungshallen

    Feuchträume
    Fließestrich wird ohne Einschränkung im gesamten Wohnbereich verlegt. Das gilt auch für häusliche Feuchträume wie Küchen, Toiletten und Bäder. Da in Bädern mit Spritzwasser zu rechnen ist, muss die Estrichkonstruktion von oben durch eine Abdichtung geschützt werden. Geeignet sind eine Streichabdichtung oder eine gespachtelte Schicht aus elastifiziertem Kleber mit eingelegtem Fugenband. Genaue Anweisungen enthält das Merkblatt Nr. 1 „Calciumsulfat-Fließestriche in Feuchträumen“.

    Bodenabläufe bei Estrichen ohne Gefälle
    Bei der Ausführung von Fußbodenkonstruktionen findet man in der Praxis oft Bodenabläufe ohne Gefälle, z. B. im Heizungskeller. Findet eine übliche Beaufschlagung mit Reinigungswasser oder ähnlichem statt, sind Fließestriche geeignete Untergründe. Dabei ist der Fließestrich durch eine Abdichtung zu schützen. Nähere Hinweise gibt das BEB Hinweisblatt „Ausführung von Bodenabläufen ohne Gefälle“.

    Kellerräume
    Fließestrich kann problemlos auch in Kellerräumen und erdberührten Baubereichen verlegt werden. Je nach Nutzung (Lagerraum, Hobbyraum, Wohnraum) sind die bauphysikalischen Bedingungen in der Planung, insbesondere Abdichtungen, zu beachten. Eine mögliche Nutzungsänderung sollte aus Sicherheitsgründen bei der Planung bedacht werden.

    Einschränkungen
    Keine Anwendung finden Fließestriche in Nassräumen (z.B. gewerbliche Feuchträume, Schwimmbäder), im Außenbereich und als Gefälleestrich.

  • Konstruktionen

    Fließestriche sind für alle Estrichkonstruktionen nach DIN 18560 geeignet. Ein besonderer Vorteil ist der schlanke Aufbau z.B. gegenüber konventionellem Zementestrich. Übliche Konstruktionsweisen sind:

    Estrich auf Dämmschicht nach DIN 18560-2

    Dieses System verwendet man für Fußbodenkonstruktionen im Wohnungs- und Wirtschaftsbau weil hier Wärme- und Schallschutz eine große Rolle spielen.

    Grafik_Estrich_auf_Daemmschicht

    Heizestrich nach DIN 18560-2

    Bei Heizestrichen wird der Fließestrich auf eine Dämmschicht aufgebracht und durch im Estrich eingebettete Heizelemente erwärmt. Durch die große Heizfläche wird die aufgenommene Wärme effizient an den Raum abgegeben.

    Grafik_Heizestrich

    Estrich auf Trennschicht nach DIN 18560-4

    Diese Verlegeart kommt zum Einsatz wenn der Untergrund keine Verbundverlegung zulässt, keine schall- und wärmeschutztechnischen Anforderungen bestehen oder beim Einbau einer Feuchtigkeitssperre.

    Grafik_Estrich_auf_Trennschicht

    Verbundestrich nach DIN 18560-3

    Ideal bei großen Lasten, die auf dem Boden stehen oder bewegt werden müssen.

    Grafiken_Verbundestrich

    Estrich auf Hohlböden nach DIN EN 13213

    In Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäuden bevorzugt man diese Fußbodenkonstruktion. Der Vorteil liegt in der zugänglichen Installationsebene für Kabel- und Versorgungsleitungen, die sich unter dem Estrich befindet.

    Grafik_Hohlboden

  • Estrichnenndicke

    Unter dem Begriff Estrichnenndicke wird die mittlere Estrichdicke verstanden, welche Grundlage für die Planung ist. Die Estrichnenndicke darf nach DIN 18560-1 maximal um 5 bzw. 10 mm im Einzelwert unterschritten werden. Nach DIN 18353 und DIN 18560 sind Estriche grundsätzlich in gleichmäßiger Dicke zu verlegen. Sie wirken als Lastverteilungsschicht, d.h. sie geben die aufgebrachte Last an den Untergrund weiter. Bei Estrichen auf Dämm- und Trennschichten entstehen dabei Biegezugspannungen, die vom Estrich aufgenommen werden müssen. Je nach Einsatzbereich des Estrichs müssen Lastbereiche über Punkt- und Flächenlasten als Planungsgrundlage angenommen werden.

    Die Estrichnenndicken von unbeheizten Estrichen können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.

    ige_iwm_Fliessestrich

    Bei Heizestrichen der Bauart A muss die Estrichnenndicke zusätzlich um den Außendurchmesser des Heizrohres „d“ erhöht werden. Bei der Festigkeitsklasse F4 muss die Rohrüberdeckung bei Fließestrichen mindestens 40 mm und bei allen anderen Estrichen mindestens 45 mm betragen.

  • Fugen

    Fugen unterteilen größere Flächen in kleinere oder trennen sie von anderen Bauteilen. Sie können die Bewegungen des Estrichs problemlos aufnehmen und verhindern, dass die Fußbodenkonstruktion Schaden nimmt. Die Anordnung der Fugen wird vor dem Estricheinbau im sogenannten Fugenplan vom Bauwerksplaner festgelegt.

    Empfehlungen zur Fugenplanung

    Nach DIN 18560 Teil 2 ist der Bauwerksplaner für das Erstellen eines Fugenplans verantwortlich. Der Fugenplan ist Bestandteil der Leistungsbeschreibung und muss den Ausführenden der einzelnen Bodengewerke vorliegen. Die endgültige Lage der Fugen ist vor der Ausführung durch den Planer in Abstimmung mit den beteiligten Gewerken (Heizungsbauer, Estrichleger und Bodenbelagsverleger) vor Ort festzulegen.

    Unbeheizte Calciumsulfat-Fließestriche

    Unbeheizte Estrichflächen können in der Regel fugenlos hergestellt werden. Eventuell vorhandene Bauwerksfugen sind zu übernehmen. Weitere Fugen sind nur aus schalltechnischen Gründen erforderlich. Estrichflächen mit großformatigen Fliesen oder Natursteinbelägen, die einer starken Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden, sollen bei einer Kantenlänge der Estrichfläche von mehr als 20 m (Orientierungswert) eine Bewegungsfuge erhalten.

    Beheizte Calciumsulfat-Fließestriche

    fugen

    Bei beheizten Estrichkonstruktionen wird unterschieden nach

    • Nicht vollflächig beheizte Estriche
    • Vollflächig beheizte Estriche

    Nicht vollflächig beheizte Estriche

    Nicht vollflächig beheizte Estrichkonstruktionen enthalten nur teilweise Heizelemente. Dadurch entstehen beheizte und unbeheizte Teilflächen, die grundsätzlich durch eine Bewegungsfuge voneinander getrennt werden müssen. Unbeheizte bis zu 1 m breite Randzonen (wie z. B. in Bereichen von Küchenzeilen) fallen nicht hierunter.

    Vollflächig beheizte Estriche

    Bei vollflächig beheizten Estrichkonstruktionen ist bei der Fugenplanung nach der Grundrissform zu unterscheiden

    • Rechteck – Flächen
    • Flächen mit Türdurchgängen
    • L – Flächen
    • U – Flächen
    • Komplexe, asymmetrische Flächen

    Rechteck – Flächen

    Bei Rechteck-Flächen sind bei Kantenlängen ab 20 m, bei starren Belägen bei Kantenlängen ab 10 m, die Anordnung einer Bewegungsfuge zu empfehlen.
    Bei gleichmäßiger Beheizung der Fläche sind bei elastischem Oberbelag Estrichflächen mit Kantenlängen von mehr als 20 m fugenlos herstellbar.

    Flächen mit Türdurchgängen (vollflächig beheizt)

    In Abhängigkeit von der Grundrisslänge gelten folgende Empfehlungen:
    Bei Grundrisslängen > 5m und starren Belägen sind Fugen anzuordnen.
    Bei Grundrisslängen > 7m und sonstigen Belägen sind Fugen anzuordnen.

    Unabhängig von der Grundrisslänge

    • zwischen beheizten und unbeheizten Flächen → Bewegungsfugen anordnen
    • bei stark unterschiedlich beheizten Heizkreisen → Bewegungsfugen anordnen

    Hinweis
    Innerhalb einer Wohnung können bei beheizten Estrichen die Fugen in Türdurchgängen als Scheinfugen ausgebildet werden, wenn ausreichend breite Randfugen in den Räumen vorhanden sind. Diese Scheinfugen dürfen nicht kraftschlüssig geschlossen werden und sind deckungsgleich im Oberbelag zu übernehmen. Sie müssen in der Regel auch nicht gegen Höhenversatz gesichert werden.

    FugenAnimation-L (2)L – Flächen (Grundrisslängen bis 12 m)

    L-Fläche in 2 möglichst gedrungene Rechteckflächen aufteilen. Von beiden Rechteckflächen die Mittelpunkte zeichnerisch (durch Verbinden der Eckpunkte) ermitteln. Schneidet die Verbindungslinie der Mittelpunkte die „einspringende“ Ecke, ist ein Schenkel des Grundrisses durch eine Bewegungsfuge abzutrennen.

     

     

    FugenAnimation-UU – Flächen (Grundrisslängen bis 12 m)

    Die diagonal gegenüberliegenden Außenecken miteinander verbinden. Schneidet eine der Verbindungslinien eine „einspringende“ Ecke der U-Fläche, so ist ein Schenkel durch eine Bewegungsfuge abzutrennen. Die dadurch entstandene L-Fläche ist erneut zu beurteilen.

     

     

     

    Komplexe, asymetrische Flächen

    Komplexe, asymmetrische Flächen sind durch Bewegungsfugen so zu teilen, dass Teilflächen mit möglichst einfachen Geometrien entstehen. Die gebildeten Rechtecke, L- und U – Flächen, sind dann nach den dafür beschriebenen Verfahren zu betrachten.

    Detaillierte Informationen zur Fugenplanung finden Sie im Merkblatt Nr. 5 „Fugen in Calciumsulfat-Fließestrichen“

    merkblatt_5

     

  • Normen

    Deutsche und Europäische Normen bilden die Grundlage für die Herstellung von Bauwerken. Über die Normung der Rohstoffe und Bauprodukte, die Regelungen zur Anwendung bis hin zu den Vertragsbedingungen für Bauleistungen (VOB) sind sie der maßgebliche Baustein für qualitativ hochwertiges Bauen.

    Nachfolgende Normen sind für Fußbodenkonstruktionen besonders relevant und können beim Beuth-Verlag unter www.beuth.de bestellt werden.

    • DIN EN 13813 Estrichmörtel, Estrichmassen und Estriche – Estrichmörtel und Estrichmassen, Eigenschaften und Anforderungen
    • DIN EN 13454 Calciumsulfat-Binder, Calciumsulfat-Compositbinder und Calciumsulfat- Werkmörtel für Estriche
    • DIN 18560 Estriche im Bauwesen
    • DIN 18352 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV)
      Fliesen- und Plattenarbeiten
    • DIN 18353 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C:
      Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV)
      Estricharbeiten
    • DIN 18356 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C:
      Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV)
      Parkettarbeiten
    • DIN 18365 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C:
      Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV)
      Bodenbelagarbeiten
    • DIN 18367 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C:
      Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV)
      Holzpflasterarbeiten
    • DIN 18195 Bauwerksabdichtungen
    • DIN 18202 Toleranzen im Hochbau – Bauwerke
    • DIN EN 1991-1-1 Eurocode 1:
      Einwirkungen auf Tragwerke – Teil 1-1: Allgemeine Einwirkungen auf Tragwerke – Wichten, Eigengewicht und Nutzlasten im Hochbau
    • DIN 4108 Wärmeschutz im Hochbau
    • DIN 4109 Schallschutz im Hochbau
    • VDI 4100 Schallschutz im Hochbau – Wohnungen – Beurteilung und Vorschläge für erhöhten Schallschutz
    • DIN EN 1264 Raumflächenintegrierte Heiz- und Kühlsysteme mit Wasserdurchströmung
    • DIN EN 13213 Hohlböden
    • STLB Standardleistungsbuch für das Bauwesen 025 Estricharbeiten; Herausgegeben von Deutsches Institut für Normung e.V.