Eine gemeinsame Aktion von IGE und IWM

FAQ

1. Was ist der Unterschied zwischen Zementestrich und Calciumsulfat-Fließestrich?

  • In erster Linie das Bindemittel und die Art des Einbaues. Wie bereits im Namen enthalten ist Zement ausschließlich das Bindemittel bei Zementestrich und Calciumsulfat, in der Umgangssprache Gips, beim Calciumsulfatestrich. Zementestrich wird i.d.R. auf der Baustelle angemischt, erdfeucht eingebaut und muss händisch mit der Schaufel verteilt, mit der Latte abgezogen und die Oberfläche muss mit einem Werkzeug geglättet werden. Calciumsulfat-Fließestrich wird i.d.R. fertig entweder als Trockenmörtel oder im Fahrmischer angeliefert, mit einer am Liefergerät angebrachten Pumpe in flüssiger Form in die Baustelle gepumpt, verläuft weitgehend von selbst und die Oberfläche wird nur noch mit "Schwabbelstangen" egalisiert. Fließestrichoberflächen sind sehr eben und hervorragend zur Aufnahme von großformatigen Plattenbelägen geeignet. Die Vorbereitung des Bodens ist bei Fließestrich aufwendiger, da die Flächen für ein "flüssiges" Produkt genauer und besser vorbereitet werden müssen. Hieraus resultiert aber dann auch ein besserer Schallschutz, da die Fläche wie eine "Wanne" vorbereitet werden muss und alle Öffnungen entweder mit Isolierung oder Wanddämmstreifen verschlossen werden, wodurch die Estrichplatte keine Verbindung zu Gebäudeteilen wie z.B. Wänden hat. Ein weiterer Unterschied ist die Einbaudicke, diese kann i.d.R. gegenüber Zementestrich geringer ausfallen, hierdurch kann bei gleicher Komplettbodenaufbauhöhe eine dickere Wärmedämmung oder Trittschalldämmung verwendet werden. Auch ist in Verbindung mit einer Fußbodenheizung durch die dünnere Estrichplatte eine spürbar schnellere Ansprechzeit der Heizung zu erwarten. Fließestrich hat i.d.R. deutlich höhere Biegezugfestigkeiten und die Bruchlast ist ebenfalls höher. Dieses verleiht der Fläche eine hohe Stabilität.
    Ein "Aufschüsseln" findet bei Calciumsulfat-Fließestrich so gut wie nicht statt, hierdurch bleiben nach dem Verlegen von Belägen die Randfugen geschlossen und es entstehen keine "Schmutzfugen"

2. Warum kann bei Fließestrich die Schichtdicke reduziert werden?

  • Traditionell werden Estrichmörtel in einer steifen bis plastischen Einbaukonsistenz verarbeitet. Die beim Einbau erforderliche Verdichtung solcher Estrichmörtel ist insbesondere auf weichen Dämmschichten nur schwer zu erreichen. Um trotzdem eine ausreichende Tragfähigkeit der Estriche zu erreichen, werden Mindestschichtdicken normativ vorgegeben. Fließestriche werden in einer nahezu selbstnivellierenden Einbaukonsistenz verlegt, so dass kein zusätzlicher Verdichtungsaufwand erforderlich ist. Ein sehr homogenes Materialgefüge über den gesamten Estrichquerschnitt führt dazu, dass Fließestriche bereits bei geringen Schichtdicken hohe Tragfähigkeiten erreichen. Aus diesem Grund darf die Schichtdicke bei Verwendung von Fließestrich reduziert werden.

3. Welche Vorteile hat die Schichtdickenreduzierung bei Fließestrich?

  • Durch die Schichtdickenreduzierung bei Fließestrichen werden in erster Linie die Aufheizzeiten bei einer Fußbodenheizung deutlich verkürzt. Damit reagiert das Fußbodenheizungssystem flexibler. Auch die Abkühlung bei Abschaltung der Heizung wird schneller umgesetzt. Fließestriche auf Fußbodenheizungen sind dadurch energie-effizienter. Ein weiterer Vorteil der Schichtdickenreduzierung ist die Möglichkeit diese verfügbare "Mehrhöhe" in weitere bzw. dickere Wärmedämm- und Trittschalldämmschichten zu investieren. Dies wiederum zahlt sich in der Energieeinsparung aus. Geringere Estrichschichtdicken bedeuten auch einen geringeren Materialeinsatz. Dadurch können Rohstoffressourcen geschont werden.

4. Wie dick muss ein Fließestrich mindestens eingebaut werden?

  • Die Estrichdicke ist abhängig von der Estrichbauart, dem jeweiligen Verwendungszweck (der zu erwartenden Belastung) und von der Festigkeit des Estrichs. Die Estrichnenndicke sollte dabei immer auf das statisch notwendige Maß beschränkt sein, um die Trocknungszeit so gering wie möglich zu halten. Fließestriche haben bei gleicher Festigkeitsklasse in der Regel höhere Biegezugfestigkeiten als erdfeucht eingebrachte Estriche und können somit in geringeren Schichtdicken eingebracht werden. Auch materiell bedingt gibt es Unterschiede, so kann ein Calciumsulfat-Fließestrich in der Regel mit einer mindestens 10 mm geringeren Schichtstärke eingebracht werden als ein Zementestrich. Im Wohnungsbau werden üblicherweise schwimmende Estriche (auf Dämmung) mit einer Mindestnenndicke ab 35 mm ausgeführt.

5. Warum ist Fließestrich ideal für Fußbodenheizung?

  • Durch die fließfähige Konsistenz werden die Heizrohre optimal umschlossen, dadurch doppelt so schelle Erwärmung wie ein Heizestrich mit konventionellem Zementestrich.
  • Zeitgewinn in der Bauphase durch sehr frühe Inbetriebnahme der Fußbodenheizung (5 bis 7 Tage nach Estricheinbau), bei Zementestrich frühestens 21 Tage nach dem Einbau.

6. Warum ist Fließestrich besonders gut geeignet in Kombination mit Niedertemperaturheizungsystemen wie Erdwärme und Geothermie?

  • Fließestriche besitzen einen sehr geringen Wärmedurchlasswiderstand im Vergleich zu anderen Estricharten. Das heißt, die Wärme gelangt vom Fußbodenheizungsrohr schnell an die Estrichoberfläche. Hierdurch kommt ein Heizestrich aus Fließestrich mit niedrigeren Vorlauftemperaturen aus als andere Estriche und ist regelfreundlicher. Der Grund hierfür liegt in der guten Wärmeleitfähigkeit von Fließestrichen, der hundertprozentigen Rohrummantelung (guter Wärmeübergang Rohr zu Estrich) und der reduzierten Estrichdicke von 35 bis 40 mm über Rohr gegenüber konventionellen Estrichen von über 45 mm.

7. Muss ich bei Fußbodenheizungen mit Fließestrich Besonderheiten beachten?

  • Bei der Verlegung von Fließestrichen muss darauf geachtet werden, dass die Rohre mit Wasser gefüllt und am Untergrund (Dämmschicht) ausreichend befestigt sind, damit sie beim Vergießen des Estrichs nicht aufschwimmen. Fließestriche können bereits 7 Tage nach der Verlegung aufgeheizt werden. Dies sollte man auch tun, damit der Estrich schnell trocknen kann. Hierzu ist auch für ausreichende Lüftung zu sorgen (Fenster auf!). Mit dem Lüften kann sogar schon nach dem zweiten Tag begonnen werden. Vor der Belagsverlegung muss die Restfeuchte eines Estrichs mit dem CM-Gerät überprüft werden. Fließestriche als Heizestriche können belegt werden, wenn die Restfeuchte kleiner oder gleich 0,3 % ist.

8. Kann ich Fließestrich auch zur Kühlung ("Klimaboden") verwenden?

  • Ja, das ist möglich. Aufgrund der hohen Wärmeleitfähigkeit sind Fließestriche sowohl zum Heizen (Heizestrich) als auch zum Kühlen sehr gut geeignet. Grundsätzlich ist bei allen Estrichen, die zur Kühlung eingesetzt werden, darauf zu achten, dass kein Kondeswasser am Fußboden entstehen kann. Hierzu wird die Kühlung mit Hilfe von kontinuierlicher Prüfung der Bodentemperaturen und der Luftfeuchte gesteuert.

9. Kann man Fließestrich auch mit Elektro-Fußbodenheizungen kombinieren?

  • Fließestriche können auch auf Elektrofußbodenheizung verlegt werden. Dabei sind alle Randbedingungen zu erfüllen, die auch für Fließestriche auf Warmwasserfußbodenheizung gelten. Darüber hinaus darf der Estrich nicht über 55°C erwärmt werden, da er sonst Schaden nehmen kann.
  • Zur Temperaturkontrolle ist ein Bodenthermostat am Heizelement anzuordnen. Es besteht jedoch generell bei Elektrofußbodenheizung die Gefahr der Überhitzung, wenn der Estrich mit wärmedämmenden Material abgedeckt wird (z.B. Schrank ohne Füße, Wäsche, Matratze) und der Bodenthermostat sich nicht unmittelbar unter der Abdeckung befindet. Um eine Überhitzung zu vermeiden, muss der Nutzer des Estrichs darüber informiert sein und sein Wohnverhalten darauf abstimmen.
  • Bei der Verlegung von Elektrofußbodenheizung auf einen jungen (Fließ-) Estrich (Fliesenheizung) besteht darüber hinaus die Gefahr, dass der Estrich bei Belagsverlegung noch nicht die erforderliche Belegreife erreicht hat, da er nicht wie normale Heizestriche trockengeheizt werden kann. Dies kann dann zu späteren Formänderungen und Schäden führen.

10. Bin ich bei Fließestrich in der Wahl der Bodenbeläge wirklich frei?

  • Ja, auf Fließestrichen können alle üblichen Bodenbeläge wie Fliesen und Naturstein, Teppich, PVC, Linoleum, Parkett oder Laminat eingesetzt werden.

11. Welche Vorteile bringt die fugenlose Verlegung gerade bei diagonal verlegten großformatigen Fliesen oder länglichen Natursteinbelägen?

  • Die fugenlose Verlegung spart Zeit und Geld für die Bauherren, da keine belagsabhängigen Fugen geplant, angelegt und gewartet werden müssen. Zudem sieht ein fugenfreier Boden auch deutlich schöner aus.

12. Warum kann Fließestrich nahezu fugenlos verlegt werden?

  • Fugen sollen verhindern, dass trocknungsbedingte Verformungen von Estrichen wie Schwinden, Quellen oder "Schüsseln" in den Bodenbelag übertragen werden und dort Schäden verursachen. Da Fließestrich praktisch verformungsfrei austrocknet, sind auch keine entsprechenden Fugen erforderlich.

13. Was sind eigentlich "Schmutzfugen" und warum entstehen diese bei Fließestrich nicht?

  • Als Schmutzfugen bezeichnet man Fugen, die die durch den Trocknungsprozess verursachten Verformungen von Zementestrichen nicht ausreichend aufnehmen können und oft vor allem an Wandanschlüssen zwischen Bodenbelag und Sockelleiste aufklaffen. Dort sammeln sich Staub, Fusseln und Reste von Reinigungswasser und stören so den optischen Eindruck des Fußbodens erheblich. Bei Fließestrichen entstehen diese Fugen durch die nahezu verformungsfreie Austrocknung nicht.

14. Kann ich Fließestrich auch in Eigenleistung einbauen?

  • Theoretisch ja, wir raten Ihnen aber nicht dazu. Um eine fachgerechte Fußbodenkonstruktion zu gewährleisten müssen mehrere und teilweise komplexe Punkte berücksichtigt werden. Die Untergrundvorbereitung muss Ansprüche an den Wärme- und Schallschutz erfüllen. Die Estrichdicke muss in Abhängigkeit der Belastung (Verkehrslast) gewählt werden. Fugen müssen geplant und fachgerecht ausgeführt werden (z.B. zwischen beheizten und nicht beheizten Flächen). Insbesondere aus Gewährleistungsgründen raten wir Ihnen Ihre Fußbodenkonstruktion durch ein Fachunternehmen ausführen zu lassen.

15. Wie finde ich Estrichleger in meiner Nähe?

  • Estrichleger, die Fließestrich ausführen finden Sie über unsere Mitgliedsfirmen (im Menüpunkt "Partner"), im Internet oder über Ihre örtlichen Handwerks- oder Industrie- und Handelskammern.

16. Wie kommt der Fließestrich auf meine Baustelle? Muss ich dazu besondere Vorbereitungen treffen?

  • Baustellen auf denen Fließestrich eingebaut wird, müssen nicht speziell vorbereitet werden. Je nachdem mit welchem System die Fachfirma arbeitet, kommt der Fließestrich entweder mit einem Silo, in dem sich das Estrichmaterial befindet, oder mit dem Fahrmischer (Betonmischer) zur Baustelle. Bei beiden Systemen kommt eine Fließestrichpumpe zum Einsatz, die den Fließestrich in das Gebäude fördert - und das auch über längere Strecken. Das Ergebnis sind saubere Baustellen, vor, während und auch nach dem Einbau von Fließestrich.

17. Wann kann der Oberboden verlegt werden?

  • Der Oberbelag kann nach erreichen der Belegreife belegt werden. Die Prüfung der Belegreife, die vom Bodenleger durchgeführt wird, ist nur mittels einer CM-Messung zulässig.

18. Kann ich Fließestrich in Badezimmern und in der Küche oder im Keller bedenkenlos einbauen?

  • Fließestriche sind auch für Räume mit üblicher Luftfeuchte wie häusliche Küchen und Bäder geeignet. Auch in Kellerräumen können grundsätzlich Fließestriche verlegt werden. Wird der Boden mit Wasser beaufschlagt, so ist der Fließestrich genauso wie der Zementestrich durch eine geeignete Abdichtung vor Feuchtigkeit zu schützen. Dies ist schon deshalb notwendig, um insbesondere im Randbereich die Dämmung vor dem Durchnässen zu schützen und einen technisch einwandfreien Estrich zu erhalten.

19. Kann ich Fließestrich in der Garage oder auf einem Balkon/einer Terrasse verwenden?

  • Calciumsulfatestriche finden ihren Einsatz im Innenbereich. Bereiche in denen mit einer dauernden Feuchtigkeitsbeanspruchung gerechnet werden muss, müssen durch geeignete Maßnahmen - z.B. durch eine Dampfsperre - geschützt werden. Solche Maßnahmen sind vom Planer bei der Bauwerksplanung festzulegen. Bei der Planung und Ausführung von Garagen ist nicht die Fläche kritisch, sondern der Einfahrtsbereich, welcher ein absoluter Schwachpunkt  für das Eindringen von Feuchtigkeit ist.

20. Wie lange trocknet ein Fließestrich?

  • Wie alle mineralisch gebundenen Baustoffe müssen auch Calciumsulfat-Fließestriche das überschüssige Anmachwasser, das nicht gebunden wird, an die Umgebungsluft wieder abgeben.
  • Zum zügigen Erreichen der Belegreife von Calciumsulfat-Fließestrichen ist deshalb eine fachgerechte Trocknung nötig.Das bedeutet, dass die Trocknungszeit von der Art und Weise der Lüftung abhängt, sowie durch Inbetriebnahme der Heizung unterstützt wird. Optimal ist die Technische Trocknung - z.B. durch Kondensattrockner - in Kombination mit der Heizung.
  • Die Austrocknung wird bei einem Heizestrich durch das Aufheizen beschleunigt, auch hier spielt das Lüften eine entscheidende Rolle.
  • Ein weiteres, sehr wichtiges Kriterium für die Austrocknung von Calciumsulfat-Fließestrichen ist die Einhaltung der erforderlichen Estrichdicken, jede Überschreitung kann ein Vielfaches an Austrocknungszeit bringen.

21. Wie kann man feststellen, ob der Estrich ausreichend trocken ist?

  • Die Belegreife eines Estrichs wird durch CM-Prüfung ermittelt. Bei Heizestrichen kann während des Heizbetriebes mittels Folienprüfung (ca. 50 X50 cm Folie auf Estrich legen, Randbereiche mit Klebeband abkleben. Sind nach 12 Stunden keine Feuchtigkeitsspuren unter der Folie zu finden, ist der Estrich trocken) die Austrocknung des Estrichs geprüft werden. Elektronische Prüfgeräte sind lediglich für Vorprüfungen geeignet.

22. Kann ich die Trocknung von Fließestrich beschleunigen?

  • Die Trocknung von Fließestrichen können Sie auch künstlich beschleunigen. Bei der künstlichen Trocknung von Calciumsulfatfließestrichen ist die Kondenstrocknung stark verbreitet. Grundsätzlich ist der Einsatz von Ventilatoren bei einer künstlichen Trocknung zu empfehlen. Die Kombination aus Trockner und Ventilator führt generell zu einem besseren Ergebnis.
  • Das BEB-Hinweisblatt "Hinweise zur beschleunigten Trocknung von Calciumsulfatestrichen" (Stand: Januar 2007) gibt zu dieser Thematik weitere Informationen.
  • Wie funktioniert ein Kondenstrockner?
    Der Kondenstrockner arbeitet nach dem "Kühlschrankprinzip". Seine Hauptbestandteile sind Kompressor, Kälteteil und Wärmeteil. Die feuchte Raumluft wird durch den Kälteblock geleitet. Dort kondensiert die Feuchtigkeit an der kalten Oberfläche. Die kalte, trockene Luft wird anschließend über das Wärmeteil geleitet und dort erwärmt. Danach wird die Luft mit ca. 30 - 40% rel. Feuchtigkeit wieder an den Raum abgegeben.

23. Muss Fließestrich nach einem Wasserschaden saniert oder erneuert werden?

  • Hier sollte schnell gehandelt werden. Schalten Sie bitte eine Fachfirma ein. Diese verfügt über entsprechende Gerätschaften. Mit elektronischen Messgeräten wird zunächst der Feuchtgehalt des Estrichs und/oder der Wärmedämmung festgestellt. Die Schadensanalyse bestimmt dann über den weiteren Trocknungsprozess. Hochleistungsgeräte wie Konensationstrockner oder Seitenkanalverdichter kommen zum Einsatz. In der Regel kann so der Fließestrich fachgerecht saniert werden.

24. Kann Fließestrich bei der Gebäudesanierung und Renovierung (Altbau, Holzbalkendecken, etc.) eingesetzt werden?

  • Fließestriche können auch bei Sanierung- und Renovierungsmaßnahmen eingesetzt werden. Durch die Möglichkeit die Estricheinbaudicke mit Fließestrich zu reduzieren, können häufige Probleme mit der zu geringen Aufbauhöhe kompensiert werden.

25. Kann Fließestrich auch in gewerblich genutzen, höher beanspruchten Bereichen (Lagerhallen, etc). verwendet werden?

  • Fließestriche sind neben der Anwendung im Wohnungsbau auch für höher belastbare Bereiche z.B. im Gewerbebau geeignet. Wichtig ist aber eine individuelle objektbezogene Planung. In Abhängigkeit der Verkehrslasten (DIN 1055 Teil 3) kann die jeweilige Konstruktionen (Verbundestrich, Estrich auf Trennschicht oder auch schwimmender Estrich) gewählt werden.
  • Das BEB-Hinweisblatt "Höher belastbare Calciumsulfatestriche im Gewerbebau" (Stand: Januar 2007) gibt zu dieser Thematik weitere Informationen. Dieses Hinweisblatt beschreibt folgende Einsatzbereiche: Ladengeschäfte, Warenhäuser, Supermärkte, Möbelhäuser, Lagerhallen mit leichter Beanspruchung, Lagerhallen mit schwerer Beanspruchung (nur im Verbund).

26. Was bedeuten die technischen Bezeichnungen CAF F5?

  • Dieses ist eine Bezeichnung nach DIN 18560 (Estrichnorm). CAF hier steht Calciumsulfat- Fließestrich. F 5 steht für die Biegezugfestigkeit, hier 5 N/mm² (F= Flexural [aus dem englischen]= Biege-) des Estrichs.

27. Mörtelhersteller bieten Ihre Fließestriche mit Bezeichnungen wie  CA C25 F5 oder ähnlich an. Was ist der Unterschied zu CAF F5?

          Die Bezeichnungen kommen aus unterschiedlichen Normen.

  • CA-C25-F5 ist die Bezeichnung nach DIN EN 13813 und gibt die stofflichen und technischen Eigenschaften des Estrichs an. In diesem Fall CA für Calciumsulfatestrich; C25 ist die Angabe der Druckfestigkeit, hier 25 N/mm²; F5 ist der Wert für die Biegezugfestigkeit die dieser Estrich erreicht, hier 5 N/mm². Diese Bezeichnung gilt in der DIN EN 13813 für Calciumsulfatestriche konventioneller Art sowie für Calciumsulfatfließestriche.
  • CAF-F5 ist eine Bezeichnung nach der DIN 18560 Teil 2 In dieser wird zusätzlich zwischen konventionellem CA Calciumsulfatestrich und CAF Calciumsulfat-Fließestrich in der Bezeichnung unterschieden. Das Augenmerk der technischen Angabe liegt hier ausschließlich auf der Biegezugfestigkeit, hier 5 N/mm², da diese auf Dämmschichten der maßgebliche Faktor ist.

28. Woran erkenne ich, das der gelieferte Fließestrichmörtel qualitätsüberwacht ist und der Norm entspricht?

  • Dieses ist am CE- Zeichen zu erkennen in dem die für das Produkt geltende Produktnorm angegeben wird, bei Estrich ist dieses die DIN EN 13813. Das CE Zeichen (Link zu PDF Seite 46 Broschüre CE- Kennzeichnung für. Werkmörtel)stellt eine Grundlage der Kennzeichnung von Produkten in der EU dar und darf vom Hersteller nur verwendet werden, wenn er für das Produkt eine Konformitäts-erklärung (Link zu PDF Seite 42 Broschüre CE- Kennzeichnung für. Werkmörtel) erstellt hat. Die Konformitätserklärung unterliegt strengen Vorgaben und Richtlinien nach § 9 des Bauproduktengesetzes. Hier ist die regelmäßige Produktionskontrolle und Überwachung der Produkte vorgegeben. Die Hersteller von Werkmörtel lassen ihre Produkte zusätzlich von einem unabhängigen Fremdüberwacher prüfen.

29. Gibt es Normen und Regeln für den fachgerechten Estricheinbau?

  • In der DIN 18560 (Teile 1 bis 7) sind in Deutschland die wichtigsten Regeln und Grundlagen für den fachgerechten Einbau und die Verwendung von Estrich beschieben.
  • In vielen Arbeits- und Hinweisblättern verschiedener Verbände wie z. B. des BEB (BUNDESVERBAND ESTRICH UND BELAG e. V.) sind ebenfalls Hinweise zum fachgerechten Einbau enthalten. Allgemein gelten auch hier die Allgemeinen Regeln der Technik.

30. Enthalten Fließestriche Inhaltsstoffe, die die Innenraumluft belasten?

Eine gesundheitliche Bewertung von Bauprodukten erfolgt nach dem sogenannten AgBB-Schema (Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten). Hierbei werden Bauprodukte hinsichtlich der Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen gemessen und beurteilt. Bislang vorliegende realitätsnahe Untersuchungen des Fraunhofer Instituts für Bauphysik kommen anhand der untersuchten Calciumsulfatestriche zu folgenden Ergebnissen:

  • bei den untersuchten Estrichprodukten konnten keine cancerogenen Stoffe nachgewiesen werden
  • die gemessenen Emissionen an flüchtigen organischen Verbindungen liegen unter den vorgegebenen Grenzwerten
  • die untersuchten Calciumsulfatestriche erfüllen alle Anforderungen in Bezug auf die gesundheitliche Bewertung von Bauprodukten für die Verwendung in Innenräumen

31. Ist Fließestrich gesundheitlich unbedenklich?

Eine gesundheitliche Bewertung von Bauprodukten erfolgt nach dem sogenannten AgBB-Schema (Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten). Hierbei werden Bauprodukte hinsichtlich der Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen gemessen und beurteilt. Bislang vorliegende realitätsnahe Untersuchungen des Fraunhofer Instituts für Bauphysik kommen anhand der untersuchten Calciumsulfatestriche zu folgenden Ergebnissen:

  • bei den untersuchten Estrichprodukten konnten keine cancerogenen Stoffe nachgewiesen werden
  • die gemessenen Emissionen an flüchtigen organischen Verbindungen liegen unter den vorgegebenen Grenzwerten
  • die untersuchten Calciumsulfatestriche erfüllen alle Anforderungen in Bezug auf die gesundheitliche Bewertung von Bauprodukten für die Verwendung in Innenräumen

32. Gibt es unterschiedliche Sorten von Fließestrich bzw. Bindemitteln und worin unterscheiden sie sich?

  • Moderne Calciumsulfat-Fliessestriche unterscheiden sich nur in geringem Maße. Abhängig von den eingesetzten Gesteinskörnungen gibt es Unterschiede hinsichtlich der Verarbeitungskonsistenz. Im Endergebnis erreichen jedoch alle am Markt befindlichen Fliessestriche vergleichbare Produkteigenschaften.
  • Als Bindemittel zur Herstellung von Fliessestrichen werden Naturanhydrit, Synthetischer Anhydrit, Thermischer Anhydrit, Alpha-Halbhydrate sowie Gemische dieser "Calciumsulfate" eingesetzt. Diese Bindemittel bzw. Bindemittelcompounds werden entsprechend der Europäischen Norm DIN EN 13454 unterschiedlichen Festigkeitsklassen zugeordnet und weisen dadurch wiederum vergleichbare Produkteigenschaften auf.
  • Detailinformationen zu den Herstellverfahren der unterschiedlichen Calciumsulfat-Bindemittel entnehmen Sie bitte der IGE/IWM Rohstoffbroschüre (Link setzen ins Infocenter!)

33. Ist Fließestrich mit REA-Gips radioaktiv?

  • Umfangreiche Studien und gammaspektroskopische Messungen belegen, dass Gipse aus RauchgasEntschwefelungsAnlagen (REA-Gipse) im strahlenschutzrechtlichen Sinne als nicht radioaktiv zu bezeichnen sind. Diese Aussage gilt gleichermaßen für die auf Basis von REA-Gips hergestellten Calciumsulfat-Bindemittel und Calciumsulfat-Fliessestriche.

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